ICA Forschungsberichte

Hier haben wir Ihnen eine Übersicht von Arbeiten und Veröffentlichungen zusammengestellt. Die einzelnen Berichte sind den Kategorien Forschung & Entwicklung sowie Therapie & Diagnose zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet.

Die Berichte sind so gruppiert, dass immer 5 Beiträge auf einer Seite angezeigt werden. Im unteren Teil der Seite können Sie die Titel der nächsten 5 Beiträge sehen und zu diesen weiterblättern.


 

Kürzlich veröffentlichte Studie: Ein effektiver Vergleich von DMSO und Chondroitin Sulfat 2% bei Blasen Instillationen blieb versagt

Während eine DMSO Therapie nur durch die amerikanische Gesundheitsbehörde als Blasen Instillationstherapie  anerkannt ist, wird in Kanada und Europa auch die Therapie mit Chondroitin Sulfat bei einer IC angewendet. Beide Behandlungsmethoden scheinen einen Effekt auf die Wiederherstellung der Glycosaminoglykanschicht der Blasenschleimhaut zu haben, welche bei IC Patienten häufig angegriffen oder zerstört ist. Kürzlich veröffentlichte Studien konnten einen positiven Effekt der Therapie mit Chondroitin Sulfat auf die Symptome der IC zeigen. Es wurde jedoch nie eine statistische Signifikanz für die Benutzung herausgestellt.


In dieser Studie konnte ein Vergleich zwischen einer Behandlung mit Chondroitin Sulfat oder DMSO nicht gemacht werden, da viele Studienteilnehmer der DMSO Gruppe die Behandlung auf Grund starker Nebenwirkungen abbrachen. Die häufigsten Nebenwirkungen waren dabei Schmerzen, Dysurie und ein starker knoblauchartiger Geruch, welcher bis zu sieben Stunden nach der Instillation zu verzeichnen war. Bevor diese Studie abgebrochen wurde, konnte in der Chondroitin Sulfat Gruppe jedoch eine Verbesserung der Schmerzen und der Miktionsfrequenz beobachtet werden. Zudem waren die Nebenwirkungen der Therapie mit Chondroitin Sulfat gering. Diese Studie zeigt, dass Chondroitin Sulfat eine potentielle Behandlungsmethode darstellt, aber noch mehr Forschung benötigt wird um alle Aspekte zu klären.

Quelle: Tutolo, Manuela, Ammirati, Enrico, Castagna, Giulia, Klockaerts, Katrien, Plancke, Hendrik, Ost, Dieter, Aa, Frank Van der, & Ridder, Dirk De. (2017). A prospective randomized controlled multicentre trial comparing intravesical DMSO and chondroïtin sulphate 2% for painful bladder syndrome/interstitial cystitis. International braz j urol, 43(1), 134-141.

Das Mikrobiom scheint bei Erkrankungen der Harnwege involviert zu sein

Dieser Rückblick zeigt einige Schlüsselforschungen die einen potentiellen Einfluss des Mikrobioms auf Erkrankungen wie der IC herausstellen. Das Mikrobiom, welches zu einer der komplexesten Gesellschaft gehört die den menschlichen Körper besiedeln, erlangt in neueren Forschungsarbeiten immer größeres Interesse. Dies ist dadurch zu begründen, dass die Detektion verschiedener Mikroorganismen verbessert wurde und die Kolonisierung durch Bakterien auch in den Harnwegen nachgewiesen werden konnte. Die Autoren dieses Rückblicks stellten dabei ein paar der wichtigsten Forschungsergebnisse heraus, die in Zusammenhang mit Harnwegserkrankungen stehen. Dies schließt eine kürzlich statt gefundene Analyse von Biomarkern im Stuhl mit ein, welche eines Tages möglicherweise ein Ansatz zur Behandlung der IC sein könnte. Sie zeigten zudem Ergebnisse anderer Studien, in welchen eine Erhöhung der Anzahl von Lactobacillus im Urin mit IC in Zusammenhang steht. In einer anderen Studie konnte gezeigt werden, dass Frauen mit dringlicher Harninkontinenz (UUI) ein Mikrobiom in den Harnwegen besitzen, welches sich von dem der Kontrollgruppe unterscheidet. Zudem zeigen Frauen mit UUI und starken Symptomen einen Verlust an Diversität innerhalb des Mikrobioms im Vergleich zu Frauen, welche nur schwache Symptome zeigen. Auch wenn diese und andere Ergebnisse des Artikels überzeugen, ist es notwendig weitere Studien durchzuführen, um die Signifikanz des Mikrobioms in Zusammenhang mit Harnwegserkrankungen zu verstehen.

Quelle: Hiergeist A, Gessner A. Clinical implications of the microbiome in urinary tract diseases. Curr Opin Urol. 2016 Nov 24. [Epub ahead of print]

Eine sorgfältige Behandlung der Blase, des Verdauungssystems und des Gehirns könnten zu einem Behandlungserfolg führen

In dieser Publikation stellten niederländische Forscher ein Konzept Namens „Bladder-Gut-Brain-Axis“ vor, das das Verständnis und die Erforschung von urologischen Erkrankungen, wie IC, überaktive Blase und dem Chronic Pelvic Pain Syndrom ermöglicht.  Die Forscher sind in diesem Zusammenhang besorgt, dass manchmal eine Behandlung keinen Erfolg zeigt, weil psychologische Erkrankungen nicht erkannt werden, diese aber mit zu den bekannten Symptomen führen. Vor allem Angststörungen und Depressionen sind mit einer schwereren Symptomatik assoziiert und erhöhen die Belastung durch die Erkrankung bei verschiedenen urologischen und gastrointestinalen Erkrankungen. Um die beste  Behandlung für Patienten zu erzielen, die eine Kombination aus urologischen und psychologischen Konditionen aufweisen, ist es das Beste, wenn die Behandlung durch ein multidisziplinäres Team durchgeführt wird als von nur einem Spezialisten.  Durch eine integrierte Behandlung von Spezialisten kann dem Patienten die beste Behandlung in Bezug auf medizinische, psychologische und soziale Aspekte ermöglicht werden. Dadurch empfehlen die Autoren eine multidisziplinäre Behandlung als ein Standard für Patienten mit viszeralen Schmerzen und anderen Symptomen, vor allem wenn der Patient nicht auf vorherige Behandlungen reagiert.

Quelle: Leue C, Kruimel J, Vrijens D, Masclee A, van Os J, van Koeveringe G. Functional urological disorders: a sensitized defence response in the bladder-gut-brain axis. Nat Rev Urol. 2016 Dec 6. doi: 10.1038/nrurol.2016.227. [Epub ahead of print]

Forscher zeigen vielfältige und grundlegende Faktoren, welche zur Entwicklung der IC beitragen

Dieser Artikel beinhaltet einen Rückblick auf Untersuchungen zur Ursachenforschung der IC. Der Rückblick sollte dabei die Vielfältigkeit der möglichen Ursachen zur Entstehung der IC aufzeigen und somit Forschern und behandelnden Ärzten die Heterogenität von ursächlichen Faktoren vermitteln. Die Forscher konnten dabei fünf funktionelle Veränderungen ausfindig machen die zur Entwicklung der IC beitragen.  Diese beinhalten die Dysfunktion des Urothels, die Aktivierung von Mastzellen, welche an entzündlichen Prozessen beteiligt sind, Autoimmunität, Blasenentzündungen und Entzündungen die mit dem Nervensystem in Verbindung stehen. Durch die sorgfältige Analyse verschiedener IC Ausprägungen könnte es möglich sein die verschiedenen Subtypen der IC besser zu definieren und einem dem Subtyp angepassten Therapieplan zu erstellen. In diesem Zusammenhang wäre es von Vorteil gute Biomarker zur Verfügung zu haben, welche zu den ursächlichen Faktoren passen.  Denn obwohl eine extensive Untersuchung von Biomarkern für IC stattfindet, konnte in diesem Artikel gezeigt werden, dass bis jetzt kein eingehendes Verständnis für diese Biomarker existiert und sie somit nicht zu einer sicheren Diagnose IC beitragen können.

Quelle: Jhang JF, Kuo HC1. Pathomechanism of Interstitial Cystitis/Bladder Pain Syndrome and Mapping the Heterogeneity of Disease. Int Neurourol J. 2016 Nov;20(Suppl 2):S95-104. Epub 2016 Nov 22.

 

Spinale Nervenzellen spielen möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung des Schmerzes bei IC

Viszeraler Schmerz ist meistens eines der Symptome, dass IC Patienten am meisten belastet. Es gibt zurzeit nur wenige Erkenntnisse darüber was den viszeralen Schmerz bei IC verursacht, manche Forscher vermuten jedoch, dass bestimmte neuronale Prozesse an der Entstehung beteiligt sind. Kürzlich zeigten Wissenschaftler, dass Gliazellen, ein bestimmter Zelltyp des zentralen Nervensystems, vermutlich an Schmerzen die mit angegriffenen Nerven Fasern einhergehen beteiligt sind. Wenn diese Zellen aktiviert sind kommt es zu einer Produktion von entzündungsfördernden Faktoren und anderen Aktivitäten die möglicherweise an der Schmerzentstehung beteiligt sind. Dies bezüglich entschieden die Forscher die potentielle Rolle der Gliazellen in der Wirbelsäule bei der Entstehung von IC typischen Schmerzen zu evaluieren. Bei der Verwendung des Modelorganismus Ratte für IC,  war es den Forschern nicht möglich eine Aktivität der Microgliazellen nachzuweisen. Sie fanden jedoch eine Aktivität der Astrozyten innerhalb der Wirbelsäule der Ratten. Zudem fanden sie auch eine Erhöhung der entzündungsfördernden Substanz, IL-1β, und legten fest, dass nur die Astrozyten die Quelle des IL-1β sein konnten. Basierend auf diesen Resultaten schlussfolgerten die Forscher, dass das von Astrozyten ausgeschüttete IL-1β vermutlich eines der frühzeitigen Schlüsselereignisse ist, was zu einer neuralen Erregung führt und den Schmerz verursacht. Diese Resultate könnten Wissenschaftlern einen Anreiz geben die Inhibition der Astrozyten als mögliche Behandlungsmethode des Symptoms Schmerz zu untersuchen.

Quelle: Liu B, Su M, Tang S, Zhou X, Zhan H, Yang F, Li W, Li T, Xie J. Spinal astrocytic activation contributes to mechanical allodynia in a rat model of cyclophosphamide-induced cystitis. Mol Pain. 2016 Nov 15;12. pii: 1744806916674479. Print 2016

  • 1
  • 2
  • 3

über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

weiterlesen

Ihr Kontakt zu uns ...

Sie haben Fragen oder Sie wollen uns etwas über sich mitteilen?

Sie haben etwas an uns zu kritisieren?

Dann nutzen Sie unsere Formular zur Kontaktaufnahme

Ihre Nachricht für uns

Impressum

ICA-Deutschland e.V. Förderverein Interstitielle Cystitis
MICA - Multinational Interstitial Cystitis Association
Herr Jürgen Hensen
Untere Burg 21
D-53881 Euskirchen

eingetragen im Vereinsregister Euskirchen unter der Nummer VR 913

vollständiges Impressum