Kategorie: Therapie und Diagnose

Eine Behandlung mit Chondroitin Sulfat bei IC ist praktikabel und zeigt weniger Nebenwirkungen, als eine Behandlung mit DMSO

In einer randomisierten Studie wurden IC Patienten mit Chondroitin Sulfat oder DMSO behandelt. Beide Behandlungen wurden intravesikal durchgeführt bei einer wöchentlichen Behandlung für eine Dauer von sechs Wochen. Vierzehn der Patienten die eine Behandlung mit DMSO begonnen hatten, führten sechs Personen die Behandlung bis zum Ende durch. Gründe für den Abbruch waren ein erhöhtes Schmerzempfinden während oder nach der Behandlung, eine geringfügige Wirksamkeit und/oder der knoblauchartige, nicht zu tolerierende Geruch des DMSOs. Diese hohe Abbruchrate der Therapie veranlasste die Forscher zu empfehlen DMSO mit Vorsicht anzuwenden und nur mit einer aktiven Überwachung der Probanden in Bezug auf Nebenwirkungen. Im Kontrast dazu beschrieben die 22 Patienten, welche mit Chondroitin Sulfat behandelt wurden, eine moderate oder deutliche Besserung der IC sehr viel häufiger (74% Chondroitin Sulfat, 14% DMSO). Insbesondere zeigten die mit Chondroitin Sulfat behandelten Personen häufiger eine Schmerz Reduktion, eine Reduzierung des nächtlichen Wasserlassens und anderer Symptome. Abschließend wurde diese Studie durch die hohen Abbruchraten der DMSO Gruppe unterbrochen, was weitere Untersuchungen bezüglich der Vorteile einer intravesikalen Therapie induziert. Diese Studie liefert zumindest zusätzliche Hinweise darauf, dass eine Behandlung mit Chondroitin Sulfat eine bessere Wahl für eine intravesikale Behandlung darstellt im Vergleich zu DMSO. Eine im September veröffentlichte Studie, von Cervigni et al., mit einer höheren Anzahl an Probanden und dem Vergleich der Wirksamkeit von Chondroitin Sulfat und DMSO zeigte auch hier eine stärkere Reduktion des Schmerzes und weniger Nebenwirkungen bei einer Behandlung mit Chondroitin Sulfat.

Quelle: Tutolo M, Ammirati E, Castagna G, Klockaerts K, Plancke H, Ost D, Van der Aa F, De Ridder D. A prospective randomized controlled multicentre trial comparing intravesical DMSO and chondroïtin sulphate 2% for painful bladder syndrome/interstitial cystitis. Int Braz J Urol. 2016 Nov 2. doi: 10.1590/S1677-5538.IBJU.2016.0302. [Epub ahead of print]

 

Operationstechniken bei IC funktionieren besser, wenn sie mit einer Hydrodistention kombiniert werden

In dieser Studie testeten Wissenschaftler eine Operationstechnik, die transurethale Resektion genannt wird (TUR), bei Patienten mit ulzerativen IC. Sie wollten herausfinden, ob diese Technik eine bessere Wirksamkeit zeigt, wenn sie mit einer Hydrodistention kombiniert wird. Die Hydrodistention beschreibt, dabei eine Technik bei welcher die Blase mit Wasser gefüllt wird. Die Studie umfasste dabei 44 Patienten bei denen kürzlich eine IC diagnostiziert wurde. 22 der Probanden erhielten dabei eine transurethale Resektion  ohne Hydrodistention und 22 Probanden eine transurethale Resektion kombiniert mit einer Hydrodistention. Beide Gruppen zeigten nach der Behandlung eine Reduktion des Schmerzes und eine allgemeine Verbesserung der Symptome, was darauf hinweist dass kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungsmethoden besteht. Die kombinierte Behandlung zeigte jedoch zudem eine Erhöhung der Blasenkapazität und eine Verbesserung der Miktionsfrequenz. Dies zeigt, dass eine transurethale Resektion kombiniert mit einer Hydrodistention Vorzüge gegenüber einer alleinigen TUR hat bei Patienten mit einer ulzerativen IC.

Quelle:  Lee SW, Kim WB, Lee KW, Kim JM, Kim YH, Lee B, Kim JH. Transurethral Resection Alone Versus Resection Combined with Therapeutic Hydrodistention as Treatment for Ulcerative Interstitial Cystitis: Initial Experience with Propensity Score Matching Studies. Urology. 2016 Oct 5. pii: S0090-4295(16)30688-4. doi: 10.1016/j.urology.2016.09.038. [Epub ahead of print]

Zurückliegende Rückenoperationen stellen bei IC Patienten, welche eine Neuromodulation brauchen, keine Probleme dar

Patienten, die eine Rückenoperation in  der Vergangenheit hatten zeigen manchmal Harnwegsprobleme. Es besteht die Befürchtung, dass IC Patienten, welche eine Rückenoperation hatten Probleme bei einer Neuromodulation zeigen könnten. Die Neuromodulation stellt dabei eine Behandlungsmethode dar, welche ein direktes Implantat beinhaltet, dass eine veränderte Reizweiterleitung der Nerven induziert. Um diese Frage zu klären, charakterisierten und evaluierten Wissenschaftler 506 Patienten, von denen 106 eine Rückenoperation aufweisen. Diese 106 Patienten waren im Durchschnitt älter und zeigten eine  Drangharninkontinenz. Die Implantation für die Neurostimulation zeigte auch bei dieser Patientengruppe eine Wirksamkeit und hatte dieselben Auswirkungen auf das Symptomlevel der IC und die Lebensqualität im Vergleich zu der Gruppe, welche keine Rückenoperation im Vorfeld hatte. Die Patienten mit einer Rückenoperation zeigten zudem eine Verbesserung der Harndranginkontinenz nach einer Neuromodulation. Den einzigen Unterschied den die Wissenschaftler feststellen konnten war, dass keine signifikante Besserung des Harnvolumens vorliegt. Die meisten Patienten mit einer Neuromodulation zeigten dabei eine Verbesserung der Symptomatik im Allgemeinen. Basierend auf diesen Ergebnissen schlossen die Forscher, dass eine Neuromodulation eine angemessene Behandlungsmethode der IC darstellt unabhängig davon ob eine Rückenoperation im Vorfeld stattgefunden hat.

Quelle: Bartley JM, Killinger KA, Boura JA, Gupta P, Gaines N, Gilleran JP, Peters KM. The impact of prior back surgery on neuromodulation outcomes: A review of over 500 patients. Neurourol Urodyn. 2016 Sep 27. doi: 10.1002/nau.23140. [Epub ahead of print]

Eine Studie zeigt, dass Hyaluronsäure/Chondroitin Sulfat eine bessere Wirksamkeit zu haben scheint als DMSO

Kürzlich veröffentlichte Studien zeigen, dass eine Behandlung der IC mit Hyaluronsäure kombiniert mit Chondroitin Sulfat eine potentiell erfolgversprechende Therapieoption darstellt. In dieser Studie verglichen die Wissenschaftler die Wirksamkeit von Hyaluronsäure/Chondriotin Sulfat (HA/CS) mit der von Dimethylsulfoxid (DMSO) bei 110 IC Patienten. Zweidrittel der Patienten erhielten dabei HA/CS und ein Drittel DMSO. Beide Medikamente wurden dabei mittels Katheter über einen Zeitraum von 13 Wochen direkt in die Blase verabreicht. Die Patienten wurden sechs Monate nach Beginn der Behandlung evaluiert. Dabei wurde festgestellt, dass beide Gruppen eine signifikante Reduktion des Schmerzes aufzeigen. Bei genauerer Betrachtung der Gruppen und genauem einhalten des Behandlungsplans stellte sich heraus, dass die Schmerzreduktion bei Patienten, die mit HA/CS behandelt wurden stärker ist. Zudem wurden Nebenwirkungen bei einer Behandlung mit HA/CS nur bei 2% der Patienten beobachtet wohingegen 22% der Patienten die mit DMSO behandelt wurden Nebenwirkungen zeigten. Auch wenn beide Behandlungen zu einer Steigerung der Lebensqualität führen, weist eine Behandlung mit HA/CS ein günstigeres Kosten –Wirksamkeitsprofil auf in dieser Studie.

Quelle: Cervigni M, Sommariva M, Tenaglia R, Porru D, Ostardo E, Giammò A, Trevisan S, Frangione V, Ciani O, Tarricone R, Pappagallo GL. A randomized, open-label, multicenter study of the efficacy and safety of intravesical hyaluronic acid and chondroitin sulfate versus dimethyl sulfoxide in women with bladder pain syndrome/interstitial cystitis. Neurourol Urodyn. 2016 Sep 21. doi: 10.1002/nau.23091. [Epub ahead of print]

Studienrückblicke auf höchstem Niveau suggerieren Hoffnung für die Anwendung von Botulinum Toxin bei IC

Viele Studien suggerieren, dass Botulinum Toxin A eine effektive Behandlung darstellt, um die Symptome der IC  zu kontrollieren. Leider sind viele dieser Studien nicht gründlich genug, da sie beispielsweise keine Kontrollgruppe enthalten. Kürzlich veröffentlichte Studien, welche  von höherer Qualität und kontrolliert waren, ermöglichten Forschern eine Metaanalyse zur Beurteilung der Evidenz-Level in Bezug auf die Wirksamkeit dieser Behandlung. Dabei analysierten die Wissenschaftler sieben randomisierte, kontrollierte Studien und eine retroperspektive Studie. Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass Botulinum Toxin bei Patienten eine erhöhte Reduktion der Beckenschmerzen, eine signifikante Verbesserung der Miktionsfrequenz während des Tages und eine signifikante Verbesserung der allgemeinen IC  Symptome induziert. Die Ergebnisse zeigen, dass Botulinum Toxin eine potentiell wirksame Behandlung der IC darstellt und zu einer Verbesserung der Blasenschmerzen beiträgt und auch andere Symptome der IC reduziert. Zur Verifizierung dieser Ergebnisse sind jedoch weiter Studien mit strukturierterem Studiendesign nötig.

Quelle: Wang J, Wang Q, Wu Q, Chen Y, Wu P. Intravesical Botulinum Toxin A Injections for Bladder Pain Syndrome/Interstitial Cystitis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Controlled Studies. Med Sci Monit. 2016 Sep 14;22:3257-67.

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