ICA Forschungsberichte

Hier haben wir Ihnen eine Übersicht von Arbeiten und Veröffentlichungen zusammengestellt. Die einzelnen Berichte sind den Kategorien Forschung & Entwicklung sowie Therapie & Diagnose zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet.

Die Berichte sind so gruppiert, dass immer 5 Beiträge auf einer Seite angezeigt werden. Im unteren Teil der Seite können Sie die Titel der nächsten 5 Beiträge sehen und zu diesen weiterblättern.


 

Neurologische Studien zeigen neue Einblicke wie Frauen mit IC Blasenempfindungen entwickeln

In kürzlich veröffentlichten Studien konnte gezeigt werden, dass gesunde Menschen bei einem schmerzhaften Stimulus eine erhöhte Durchblutung in bestimmten Gehirnarealen zeigen. Neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Folge zeigen weibliche IC Patienten bei erhöhtem Blasenempfinden einen veränderten zerebralen Blutfluss. Die Studie umfasst elf IC Patientinnen bei denen drei Gehirn-Scans durchgeführt wurden: Ein Scan mit voller Blase, ein Scan mit entleerter Blase und ein Scan unter Hitze induziertem Schmerz. Zum Vergleich wurde diese Untersuchung unter gleichen Konditionen bei elf gesunden Probanden durchgeführt. Bei einer gefüllten Blase konnte bei IC Patienten beobachtet werden, dass eine erhöhte Durchblutung in Gehirnarealen, welche mit Schmerz, Emotion und motorischer Kontrolle in Verbindung stehen, stattfindet. Im Kontrast dazu konnte bei IC Patienten für die beiden anderen Konditionen keine großen Unterschiede bei der Gehirndurchblutung im Vergleich zur Kontrollgruppe beobachtet werden. Diese Unterschiede in der Durchblutung bei gefüllter Blase zeigen, dass IC Patienten Blasenempfindungen anders verarbeiten als gesunde Menschen. Diese Ergebnisse könnten Wissenschaftlern helfen ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln wie und warum Frauen mit IC Schmerz empfinden.

Quelle: Deutsch G, Deshpande H, Frölich MA2, Lai HH, Ness TJ. Bladder Distension Increases Blood Flow in Pain Related Brain Structures in Subjects with Interstitial Cystitis. J Urol. 2016 Sep;196(3):902-10. doi: 10.1016/j.juro.2016.03.135. Epub 2016 Mar 24

Frauen mit IC bevorzugen Ärzte, die Informationen bereitstellen, verschiedene Möglichkeiten aufzeigen und Hoffnung vermitteln

In diesem Bericht zeigen die Autoren wie entkräftend die IC für Betroffene sein kann. Dabei zeigen sie auch, wie wichtig das Verhältnis zwischen Patienten und behandelndem Arzt für die Betroffenen ist.  Die Autoren begleiteten vier Gruppen, welche 15 Patientinnen mit IC beinhalteten. Jede Gruppe wurde von mindestens drei ärztlichen Gutachtern erfasst, umschrieben und analysiert. Die Patienten wurden dabei nach ihrer Erfahrung als ein Patient mit IC Symptomen, der medizinischen Versorgung die sie für die Behandlung der IC erhielten und wie Ihre Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung verbessert werden kann,  befragt. Im Durchschnitt waren die Teilnehmerinnen 52 Jahre alt und erhielten die Diagnose IC vor etwa sechs Jahren. Unter der Verwendung der so genannten „grounded theory“ Technik, war es den Wissenschaftlern möglich viele Schlüsselelemente zu identifizieren, die die Erfahrungen der IC Patienten typisieren: Die Erkrankung ist häufig entkräftend, der Verlauf ist nicht vorhersehbar und unerbittlich und die Patienten fühlen sich häufig isoliert. Bemerkenswerterweise kam in jeder Gruppe der Aspekt zum Vorschein, dass Patienten über einen Selbstmord nachdenken. Wenn die Probanden gefragt wurden was sie von ihrem Arzt erwarten, sagten sie, dass sie gerne Ärzte hätten, die Informationen zur IC  bereitstellen, einen Behandlungsplan sowie Behandlungsoptionen zur Verfügung stellten und Hoffnung sowie Optimismus in Bezug auf den Behandlungserfolg vermitteln. Diese Resultate zeigen, dass Ärzte benötigt werden, welche sensibel eine gesundheitliche Versorgung für Patienten mit dieser entkräftenden Erkrankung bereitstellen. Diese Erkenntnisse sind sehr wichtig, da bisherige Studien ihren Fokus auf quantitative Daten richten. Diese Studie liefert qualitative Daten die Einblicke in die bestmögliche Versorgung der Patienten ermöglichen, die durch traditionelle quantitative Techniken nicht erfasst werden können.

Quelle: Kanter G, Volpe KA, Dunivan GC, Cichowski SB, Jeppson PC, Rogers RG, Komesu YM. Important role of physicians in addressing psychological aspects of interstitial cystitis/bladder pain syndrome (IC/BPS): a qualitative analysis. Int Urogynecol J. 2016 Aug 31. [Epub ahead of print]

Patienten mit Sjögren´s Syndrom könnten auch IC haben

Trockene Augen und ein trockener Mund sind zwei gewöhnliche Symptome des Sjögren´s Syndrom, einer Erkrankung des Immunsystems, welche häufig bei Patienten mit anderen Erkrankungen, wie Lupus oder Rheumatoide Arthritis auftritt. Neu erschienene Berichte weisen Ärzte darauf hin, bei Patienten mit Sjögren´s Syndrom auch auf Blasensymptome zu achten, welche möglicherweise auf eine IC Erkrankung hinweisen. In einem Bericht beschreiben die Autoren eine weibliche Patientin, welche vor 23 Jahren am Sjörgen´s Syndrom erkrankt ist und eine IC im weiteren Verlauf entwickelt hat. Die Behandlung nach der IC Diagnose war eine immunsuppressive Therapie: Tacrolimus und Prednisolon, eine Behandlung ähnlich zu jener welche sie zuvor für ihre Autoimmunerkrankung erhielt. In den Augen der Autoren half diese Behandlung  auch die Symptome der IC zu mindern. Der Grund weshalb Patienten mit Sjörgen´s Syndrom auch eine IC entwickeln ist noch nicht genau bekannt, aber es existieren auch viele andere Observationsstudien, welche einen potenziellen Zusammenhang zwischen beiden Krankheitsbildern vermuten lassen. Daraus schlussfolgern die Autoren, dass Sjörgen´s Syndrom Patienten, welche zusätzlich nicht erklärbare Blasensymptome zeigen, eine immunsuppressive Therapie erhalten sollten.

Quelle: Ueda Y, Tomoe H, Takahashi H, Takahashi Y, Yamashita H, Kaneko H, Kano T, Mimori A. Interstitial cystitis associated with primary Sjögren’s syndrome successfully treated with a combination of tacrolimus and corticosteroid: A case report and literature review. Mod Rheumatol. 2016;26(3):445-9. doi: 10.3109/14397595.2014.895283. Epub 2014 Apr 11.

Ein neuer Leitfaden hilft einen einheitlichen Sprachgebrauch in Bezug auf IC und anderen Beckenschmerzsyndromen zu etablieren

Experten der ganzen Welt haben zusammen gearbeitet um einen ersten Leitfaden zu erstellen, welcher einen einheitlichen Sprachgebrauch in Bezug auf die Diagnose, Behandlung sowie Studien-Design zu Beckenschmerzsyndromen etablieren soll. Die erste Standardterminologie bei Beckenschmerz Syndromen der ICS (Internationale Kontinenz Gesellschaft) wird nicht nur das Verständnis der Erkrankung verbessert, sondern wird in gleicher Weise Ärzten und Wissenschaftlern ermöglichen, eine einheitliche Patientenversorgung bereitzustellen und Studien zu vielversprechenden Therapieoptionen durchzuführen.  Der Leitfaden deckt viele Aspekte des Beckenschmerzsyndroms ab und gibt spezifische Hinweise zur IC. Von großer Bedeutung ist, dass die Autoren sorgfältig die Unterschiede zwischen Konditionen, Erkrankung und Syndromen erklären. Sie verzeichnen, dass IC ein Syndrom ist, definiert als eine Kondition die eine Vielfalt von Symptomen und Zeichen gleichzeitig zeigt, was auf eine Erkrankung ohne offensichtliche pathologische Befunde hinweist.  Sie definieren die IC namentlich als einen „persistierenden oder wiederkehrenden chronischen Beckenschmerz, Druck oder Missempfindung in Zusammenhang mit der Blase, welcher von mindestens einem anderen Harnwegssymptom begleitet wird.“ Die Autoren hoffen, dass dieser Leitfaden helfen wird, diesen Bereich durch bessere Klassifikation der Patienten, bessere klinische Studien und effektivere Medikamente  voran zu bringen. Sie mahnen, dass dieser Leitfaden erst der Startpunkt ist um Patienten spezifisch zu evaluieren, was  individualisiert auf die Empfindungen der einzelnen Patienten abgestimmt werden muss.

Quelle: Doggweiler R, Whitmore KE, Meijlink JM, Drake MJ, Frawley H, Nordling J, Hanno P, Fraser MO, Homma Y, Garrido G, Gomes MJ, Elneil S, van de Merwe JP, Lin AT, Tomoe H. A standard for terminology in chronic pelvic pain syndromes: A report from the chronic pelvic pain working group of the international continence society. Neurourol Urodyn. 2016 Aug 26. doi: 10.1002/nau.23072. [Epub ahead of print]

Eine Untersuchung von Blasengewebe zeigte Unterschiede zwischen Hunner-IC und nicht Hunner-IC

In dieser Studie untersuchten Wissenschaftler sehr genau Blasengewebe von IC Patienten um Unterschiede auf zellulärer Ebene zwischen Hunner-IC und nicht Hunner-IC zu ermitteln. Hunner-IC ist die nicht so verbreitete Variante der IC, die mit schweren Symptomen  einhergehen kann. Um Unterschiede herauszustellen, wurden Blasenwand-Biopsie-Proben von 14 Hunner-IC  Patienten und von 14 nicht Hunner-IC Patienten untersucht.  Wie erwartet zeigten die Hunner-IC Patienten einen signifikant erhöhten Schmerzlevel sowie eine geringere Blasenkapazität im Vergleich zu den nicht Hunner-IC Patienten. Es wurde bei Hunner-IC Patienten zudem festgestellt, dass vermehrt moderate bis starke Infiltrationen von eosinophilen Zellen zu finden sind, die an entzündlichen Prozessen beteiligt sind und zu den weißen Blutkörperchen gezählt werden. Zudem zeigte das Blasengewebe von Hunner-IC Patienten eine Abtragung oder einen kompletten Verlust der protektiven Oberflächengewebe. Außerdem konnte eine veränderte Expression von E-Cadherin und eine signifikant gesteigerte Expression von endothelial nitric oxide synthase gefunden werden. Vor allem die gesteigerte Expression von endothelial nitric oxide synthase soll dabei eine entscheidende Rolle spielen ob eine Hunner-IC oder eine nicht Hunner IC ausgebildet wird.

Quelle: Jhang JF, Hsu YH, Kuo HC. Urothelial Functional Protein and Sensory Receptors in Patients with Interstitial Cystitis/Bladder Pain Syndrome with and Without Hunner’s Lesion. Urology. 2016 Aug 26. pii: S0090-4295(16)30542-8. doi: 10.1016/j.urology.2016.08.029. [Epub ahead of print]

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über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

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