ICA Forschungsberichte

Hier haben wir Ihnen eine Übersicht von Arbeiten und Veröffentlichungen zusammengestellt. Die einzelnen Berichte sind den Kategorien Forschung & Entwicklung sowie Therapie & Diagnose zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet.

Die Berichte sind so gruppiert, dass immer 5 Beiträge auf einer Seite angezeigt werden. Im unteren Teil der Seite können Sie die Titel der nächsten 5 Beiträge sehen und zu diesen weiterblättern.


 

Sind Mastzellen immer noch gute Biomarker für die Diagnose der IC?

Mastzellzählungen in Blasen Biopsien als Kriterium für die Diagnose der IC sind grundsätzlich möglich, da eine Mastzellaktivierung auch bei diesem Krankheitsbild eine Rolle spielt und wohlmöglich an der Entstehung der Schmerzen beteiligt ist, da es bei Aktivierung zu einer Sensibilisierung der peripheren nozizeptiven Nervenfaser kommt. Auch andere Faktoren sind an der Entstehung des Schmerzes beteiligt, wie beispielsweise der NGF Faktor. In diversen Studien und auch nach den Diagnose Kriterien der ESSIC wird die Anzahl der Mastzellen (≥ 28  Mastzellen/mm2)  in Gewebeproben der Blase als Marker zur Identifizierung der IC herangezogen. In diesem Zusammenhang ist es jedoch schwierig eine einheitliche Bestimmung des Mastzellvorkommens zu finden, da es viele verschiedenen Methoden zur Quantifizierung von Mastzellen gibt. Am gebräuchlichsten ist hierbei die immunohistologische Untersuchung, welche eine Farbreaktion durch die Interaktion von Antigen und Antikörper hervorruft. Um eine Aussage über die Aktivität der Mastzellen treffen zu können ist es am eindeutigsten wenn Antikörper gegen die in den Mastzellen enthaltenen Granula benutzt werden, da diese Aufschluss über die tatsächliche Aktivität der Mastzellen gibt. Dabei wird ein Antikörper benutzt, welcher gegen die menschliche Mastzell-Tryptasen  gerichtet ist. So kann festgestellt werden, ob die Granula innerhalb des Zytoplasmas oder außerhalb vorliegen. Sind die Granula Außerhalb des Zytoplasmas zu finden handelt es sich um aktive Mastzellen.

Schwierig ist dieses Diagnosekriterium, weil Mastzellen an einer Vielzahl von entzündlichen Prozessen beteiligt sind und somit auch bei Personen vorkommen welche nicht an IC leiden. Vor allem sind Sie auch an der Entstehung von Allergien beteiligt, welche vor allem in Industrieländern vertreten sind. Es ist in diesem Zusammenhang also sehr wichtig aktive von nicht aktiven Mastzellen zu unterscheiden um diese als ein Diagnosekriterium heranzuziehen. Um eine Aussage bezüglich der Bedeutung von Mastzellen treffen zu können wäre hier also eine einheitliche Untersuchung notwendig um überhaupt einen Vergleich zwischen Studien zum Vorkommen der Mastzellen aufstellen zu können. Durch die heterogenen Untersuchungsansätze ist dies zurzeit jedoch nicht möglich.

Die von der ESSIC vorgeschlagene Menge an Detrusor Muskulatur zur Verifizierung des Mastzellvorkommens kann häufig nicht durch die Biopsie erreicht werden, was eine zweite Biopsie nach sich ziehen würde. Dies wäre aber weder praktikabel noch kosteneffektiv, da auch Mengen unterhalb von 1 mm2 ausreichen. Eine Unterscheidung der Hunner Typ IC von der nicht Hunner Typ IC ist mittels dieses Diagnostischen Merkmals möglich. Die Unterscheidung zwischen nicht Hunner Typ IC und OAB ist durch diese Methode nicht möglich, da keine signifikanten Unterschiede beim Vergleich des Mastzellvorkommens vorliegen. Um die Hunner und nicht Hunner Typ IC von der OAB zu unterscheiden ist es sinnvoller die Lymphozyt Infiltration und die Integrität des Urothels als histopathologisches Kriterium zu nutzen. Ohne Vorliegen dieser Infiltrate ist die Erkrankung der Überaktiven oder Hypersensitiven Blase zu zuordnen.

Quelle: van de Merwe JP, Nordling J, Bouchelouche P, et al. Diagnostic criteria, classification, and nomenclature for painful bladder syndrome/interstitial cystitis: an ESSIC proposal. Eur Urol 2008;53:60-7. 10.1016/j.eururo.2007.09.019
Gamper M, Regauer S, Welter J, et al. Are mast cells still good biomarkers for bladder pain syndrome/interstitial cystitis? J Urol 2015;193:1994-2000. 10.1016/j.juro.2015.01.036

Studienrückblicke auf höchstem Niveau suggerieren Hoffnung für die Anwendung von Botulinum Toxin bei IC

Viele Studien suggerieren, dass Botulinum Toxin A eine effektive Behandlung darstellt, um die Symptome der IC  zu kontrollieren. Leider sind viele dieser Studien nicht gründlich genug, da sie beispielsweise keine Kontrollgruppe enthalten. Kürzlich veröffentlichte Studien, welche  von höherer Qualität und kontrolliert waren, ermöglichten Forschern eine Metaanalyse zur Beurteilung der Evidenz-Level in Bezug auf die Wirksamkeit dieser Behandlung. Dabei analysierten die Wissenschaftler sieben randomisierte, kontrollierte Studien und eine retroperspektive Studie. Die Ergebnisse der Analyse zeigten, dass Botulinum Toxin bei Patienten eine erhöhte Reduktion der Beckenschmerzen, eine signifikante Verbesserung der Miktionsfrequenz während des Tages und eine signifikante Verbesserung der allgemeinen IC  Symptome induziert. Die Ergebnisse zeigen, dass Botulinum Toxin eine potentiell wirksame Behandlung der IC darstellt und zu einer Verbesserung der Blasenschmerzen beiträgt und auch andere Symptome der IC reduziert. Zur Verifizierung dieser Ergebnisse sind jedoch weiter Studien mit strukturierterem Studiendesign nötig.

Quelle: Wang J, Wang Q, Wu Q, Chen Y, Wu P. Intravesical Botulinum Toxin A Injections for Bladder Pain Syndrome/Interstitial Cystitis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Controlled Studies. Med Sci Monit. 2016 Sep 14;22:3257-67.

Thrombozyten reiche Injektionen aus Eigenblut könnten überraschende Aspekte für die Zukunft der IC Behandlung aufzeigen

Thrombozyten reiches Blutplasma (PRP) ist eine einzigartige medizinische Technik, welche häufig bei Heilungsprozessen von wundem, weichem Gewebe angewendet wird. Bei dieser Technik wird Eigenblut des Patienten abgenommen und anschließend zentrifugiert, um Thrombozyten zu isolieren und anzureichern. Das Isolat wird im folgenden in das verletzte Gewebe injiziert. In dieser Vorbereitungsstudie wollten Wissenschaftler herausfinden, inwiefern diese Therapie auch eine Anwendung bei der Behandlung von IC oder der hämorrhagischen Zystitis darstellt. Dafür benutzten sie den Hasen als Modelorganismus. Dabei wurde bei den Hasen eine Zystitis induziert und die eine Hälfte mit PRP behandelt, während die andere Hälfte keine Behandlung mit PRP bekam und somit als Kontrollgruppe diente. Dabei fanden sie heraus, dass die Hasen, welche mit PRP behandelt wurden eine erhöhte Zellproliferation aufwiesen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dies wurde mittels mitotischen Index gemessen. Zudem stellten sie fest, dass die behandelte Gruppe eine reduzierte Blutung aufweist. Diese Ergebnisse sind vielversprechend und zeigen, dass eine Behandlung mit PRP eine potentielle, alternative Option für die Behandlung der IC darstellen könnte. Da es sich um eine Vorbereitungsstudie handelt sind noch weitere Studien an Modelorganismen und Menschen nötig um die Behandlung als eine alternative Option bei IC zu betrachten.

Quelle: Dönmez Mİ, İnci K, Zeybek ND, Doğan HS, Ergen A. The Early Histological Effects of Intravesical Instillation of Platelet-Rich Plasma in Cystitis Models. Int Neurourol J. 2016 Sep;20(3):188-196. Epub 2016 Sep 23.

Nerve-growth-factor ist ein Biomarker, welcher in Zusammenhang mit der Diagnose der IC steht

Biomarker für Harnwegserkrankungen sind wichtige Instrumente, die eine Hilfestellung bei der Diagnose und der potentiellen Behandlung darstellen können. Der Nerve-growth-factor (NGF) wurde dabei in vergangenen Studien oft als Biomarker für IC und der  Überaktiven Blase als Diagnostikum genutzt. Dabei zeigten die durchgeführten Studien häufig widersprüchliche Ergebnisse  in Bezug auf den  Zusammenhang zwischen NGF und IC. Um einen genaueren Aufschluss über die potentiellen Eigenschaften des NGFs als Diagnostikum zu erlangen, führten Forscher ein Metaanalyse von bereits veröffentlichten Studien zu diesem Themengebiet durch. Dabei zogen sie zehn Studien mit in die Analyse ein und erhielten somit 295 Patienten und 290 Kontrollpersonen. Dabei stellte sich heraus, dass das NGF Level des Urins bei IC Patienten erhöht ist. Um diese Ergebnisse zu verifizieren ist es nötig weitere Studien durchzuführen um die Signifikanz dieses Biomarkers zu charakterisieren.

Quelle: Chen W, Ye DY, Han DJ, Fu GQ, Zeng X, Lin W, Liang Y. Elevated level of nerve growth factor in the bladder pain syndrome/interstitial cystitis: a meta-analysis. Springerplus. 2016 Jul 13;5(1):1072. doi: 10.1186/s40064-016-2719-y. eCollection 2016.

Ist Botulinum Toxin die beste intravesikale Behandlung bei IC?

Intravesikale Instillation ist eine Behandlungsstrategie, bei welcher spezifische Substanzen mittels Katheter in die Blase verabreicht werden. Es sind verschiedene intravesikale Behandlungen bei IC möglich. Dabei sind Botulinum Toxin, Bazillus Calmette-Guerin (BCG), Chondroitin Sulfat und Pentosan Polysulfat  neben anderen zu erwähnen. Viele Studien zeigen dabei für alle Optionen eine Wirksamkeit in Bezug auf eine Symptom Reduzierung. Es ist dabei unklar,  welches der Medikamente  den besten Erfolg bei einer intravesikalen Behandlung verspricht. Um die Vorzüge einer Behandlung herauszustellen haben Forscher eine Metaanalyse von klinischen Studien angefertigt, welche 905 IC Patienten repräsentiert. Die Analyse wurde dabei mittels Global Response Assessment (GRA) durchgeführt, was eine Messung des Endpunktes in vielen IC Untersuchungen darstellt. Botulinum Toxin und BCG zeigten dabei eine signifikante Verbesserung des GRAs, wobei Botolinum Toxin die höchste Wahrscheinlichkeit auf zeigt die beste Behandlungsstrategie zu sein. Botulinum Toxin erhöht dabei auch die Blasenkapazität. Die Analyse zeigte auch, dass Pentosan Polysulfat eine signifikante Besserung der Miktionsfrequenz und Dringlichkeit induziert. Ob die Wirksamkeit verschiedener intravesikaler Behandlungen besser ist als die anderer, sollte jedoch in weiteren Studien untersucht werden, um eine Best mögliche Behandlung  bei IC zu finden.

Quelle: Zhang W, Deng X, Liu C, Wang X. Intravesical treatment for interstitial cystitis/painful bladder syndrome: a network meta-analysis. Int Urogynecol J. 2016 Sep 10. [Epub ahead of print

  • Literatur

    An dieser Stelle geben wir Ihnen Buch- und andere Literaturtipps zum Thema IC und Vulvodynie.

     

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  • Behandlungsmethoden

    Erhalten Sie eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand zur Behandlung der IC

     

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  • Ernährungsratgeber

    Mit unserem Ernährungsratgeber zeigen wir Ihnen, wie Ihnen eine Ernährungsumstellung helfen kann.

     

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  • Informationsvideo

    mit der freundlichen Genehmigung von Prof. Ueda können wir Ihnen hier das Video einer Blasenspiegelung bei Interstitieller Cystitis zeigen.

     

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über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

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