ICA Forschungsberichte

Hier haben wir Ihnen eine Übersicht von Arbeiten und Veröffentlichungen zusammengestellt. Die einzelnen Berichte sind den Kategorien Forschung & Entwicklung sowie Therapie & Diagnose zugeordnet und entsprechend gekennzeichnet.

Die Berichte sind so gruppiert, dass immer 5 Beiträge auf einer Seite angezeigt werden. Im unteren Teil der Seite können Sie die Titel der nächsten 5 Beiträge sehen und zu diesen weiterblättern.


 

Eine Studie zeigt, dass Hyaluronsäure/Chondroitin Sulfat eine bessere Wirksamkeit zu haben scheint als DMSO

Kürzlich veröffentlichte Studien zeigen, dass eine Behandlung der IC mit Hyaluronsäure kombiniert mit Chondroitin Sulfat eine potentiell erfolgversprechende Therapieoption darstellt. In dieser Studie verglichen die Wissenschaftler die Wirksamkeit von Hyaluronsäure/Chondriotin Sulfat (HA/CS) mit der von Dimethylsulfoxid (DMSO) bei 110 IC Patienten. Zweidrittel der Patienten erhielten dabei HA/CS und ein Drittel DMSO. Beide Medikamente wurden dabei mittels Katheter über einen Zeitraum von 13 Wochen direkt in die Blase verabreicht. Die Patienten wurden sechs Monate nach Beginn der Behandlung evaluiert. Dabei wurde festgestellt, dass beide Gruppen eine signifikante Reduktion des Schmerzes aufzeigen. Bei genauerer Betrachtung der Gruppen und genauem einhalten des Behandlungsplans stellte sich heraus, dass die Schmerzreduktion bei Patienten, die mit HA/CS behandelt wurden stärker ist. Zudem wurden Nebenwirkungen bei einer Behandlung mit HA/CS nur bei 2% der Patienten beobachtet wohingegen 22% der Patienten die mit DMSO behandelt wurden Nebenwirkungen zeigten. Auch wenn beide Behandlungen zu einer Steigerung der Lebensqualität führen, weist eine Behandlung mit HA/CS ein günstigeres Kosten –Wirksamkeitsprofil auf in dieser Studie.

Quelle: Cervigni M, Sommariva M, Tenaglia R, Porru D, Ostardo E, Giammò A, Trevisan S, Frangione V, Ciani O, Tarricone R, Pappagallo GL. A randomized, open-label, multicenter study of the efficacy and safety of intravesical hyaluronic acid and chondroitin sulfate versus dimethyl sulfoxide in women with bladder pain syndrome/interstitial cystitis. Neurourol Urodyn. 2016 Sep 21. doi: 10.1002/nau.23091. [Epub ahead of print]

Sensorische Hyperinnervation ermöglicht eine Unterscheidung der IC von der Überaktiven Blase

Schmerz ist eines der Schlüsselsymptome, welches die IC von der Überaktiven Blase (OAB) unterscheidet, wobei Überschneidungen möglich sind. Um einen Marker zu identifizieren, welcher eine Unterscheidung der beiden Krankheitsbilder ermöglicht untersuchten Forscher die sensorische Hyperinnervation und die Expression des Neurotrophins in Blasenbiopsien, sowie das Level des Nerve growth Factors (NGF) in Urinproben von 12 IC Patienten mit und 19 IC Patienten ohne Hunner Läsionen, von 13 OAB Patienten und 12 gesunden Probanden. Dabei analysierten die Forscher mittels immunohistochemischer Untersuchung mit Antikörper gegen Neuronspecific protein gene product 9.5, p75 Neurotrophin Rezeptor (p75NTR), B-lymphozyt Marker CD20 und Mastzell-Tryptase in Biopsien der Probanden, sowie mittels Enzyme linked Immunosorbant Assay (ELISA) das Level des NGFs im Urin der Probanden. Dabei ermöglichte die sensorische Hyperinnervation und die Färbung des basalen urothelialen p75NTR zusammen mit der Bewertung der entzündlichen Lymphozyten und urothelialer Integrität eine Unterscheidung der IC mit und ohne Hunner Läsionen von der OAB. Zudem ermöglichen diese histopathologischen Kriterien eine Identifikation früher Krankheitsstadien oder Oligosymptomatischer/asymtomatischer Fälle was zu einer frühzeitigen Behandlung der Erkrankung führen kann und somit den Fortlauf der Erkrankungen verhindern kann.

Quelle: Regauer S, Gamper M, Fehr MK, Viereck V. Sensory hyperinnervation distinguishes bladder pain syndrome/interstitial cystitis from overactive bladder syndrome. J Urol. 2016 Jul 1. pii: S0022-5347(16)30759-5. doi: 10.1016/j.juro.2016.06.089. [Epub ahead of print]


Wurden wir durch die NGF Biomarker Daten in die Irre geleitet?

Basierend auf Resultaten von Experimenten wird die Genauigkeit der NGF Messung im Urin mit dem meist genutzten Promega NGF Emax ImmunoAssay System in Frage gestellt. Es handelt sich bei diesem Assay um ein reines Sandwich ELISA, welcher vier Schritte bis zur Analyse benötigt. Der Hersteller warnt vor einer potentiellen Kreuz Reaktivität des anti-IgG Reaktions-Antikörpers bei der Anwesenheit von menschlichem IgG in einer Probe. Durch die Erkenntnis, dass in Urin Proben von IC Patienten mit Hunner Läsionen eine erhöhte Konzentration von IgG gefunden wird, wird der letzte Schritt der Assay Vorbereitung als kritisch angesehen, da in diesem Schritt der zweite HRP-gekoppelte Antikörper gegen IgG hinzugefügt wird. Um zu testen ob es zu einer Kreuz Reaktivität kommt, wenn menschliches IgG in der Probe enthalten ist, wurden 14 Urin Proben mit verschiedenen Konzentrationen von IgG getestet. Wurde der monoclonale anti-NGF Antikörper weggelassen kam es zu einer Reaktion, was darauf hinweist, dass eine Kreuz Reaktion stattgefunden hat, da keine Reaktion des NGFs mit dem zweiten Antikörper möglich ist. Auf Grund dieser Erkenntnis schlussfolgern die Autoren, dass dieses Immuno-Assay System nicht für die Detektion des NGFs im Urin geeignet ist. Daher appellieren die Autoren an andere Forscher mit anderen Assays zu experimentieren, um eine geeignetere Methode zu finden die tatsächlichen Konzentrationen des NGFs im Urin zu bestimmen.

Quelle: Gamper S, Moser R; Viereck V; Have we been led astray by the NGF Biomarker Data? Neurology and Urodynamics 2017 36:203-204; DOI 10.1002/nau

Sind Mastzellen immer noch gute Biomarker für die Diagnose der IC?

Mastzellzählungen in Blasen Biopsien als Kriterium für die Diagnose der IC sind grundsätzlich möglich, da eine Mastzellaktivierung auch bei diesem Krankheitsbild eine Rolle spielt und wohlmöglich an der Entstehung der Schmerzen beteiligt ist, da es bei Aktivierung zu einer Sensibilisierung der peripheren nozizeptiven Nervenfaser kommt. Auch andere Faktoren sind an der Entstehung des Schmerzes beteiligt, wie beispielsweise der NGF Faktor. In diversen Studien und auch nach den Diagnose Kriterien der ESSIC wird die Anzahl der Mastzellen (≥ 28  Mastzellen/mm2)  in Gewebeproben der Blase als Marker zur Identifizierung der IC herangezogen. In diesem Zusammenhang ist es jedoch schwierig eine einheitliche Bestimmung des Mastzellvorkommens zu finden, da es viele verschiedenen Methoden zur Quantifizierung von Mastzellen gibt. Am gebräuchlichsten ist hierbei die immunohistologische Untersuchung, welche eine Farbreaktion durch die Interaktion von Antigen und Antikörper hervorruft. Um eine Aussage über die Aktivität der Mastzellen treffen zu können ist es am eindeutigsten wenn Antikörper gegen die in den Mastzellen enthaltenen Granula benutzt werden, da diese Aufschluss über die tatsächliche Aktivität der Mastzellen gibt. Dabei wird ein Antikörper benutzt, welcher gegen die menschliche Mastzell-Tryptasen  gerichtet ist. So kann festgestellt werden, ob die Granula innerhalb des Zytoplasmas oder außerhalb vorliegen. Sind die Granula Außerhalb des Zytoplasmas zu finden handelt es sich um aktive Mastzellen.

Schwierig ist dieses Diagnosekriterium, weil Mastzellen an einer Vielzahl von entzündlichen Prozessen beteiligt sind und somit auch bei Personen vorkommen welche nicht an IC leiden. Vor allem sind Sie auch an der Entstehung von Allergien beteiligt, welche vor allem in Industrieländern vertreten sind. Es ist in diesem Zusammenhang also sehr wichtig aktive von nicht aktiven Mastzellen zu unterscheiden um diese als ein Diagnosekriterium heranzuziehen. Um eine Aussage bezüglich der Bedeutung von Mastzellen treffen zu können wäre hier also eine einheitliche Untersuchung notwendig um überhaupt einen Vergleich zwischen Studien zum Vorkommen der Mastzellen aufstellen zu können. Durch die heterogenen Untersuchungsansätze ist dies zurzeit jedoch nicht möglich.

Die von der ESSIC vorgeschlagene Menge an Detrusor Muskulatur zur Verifizierung des Mastzellvorkommens kann häufig nicht durch die Biopsie erreicht werden, was eine zweite Biopsie nach sich ziehen würde. Dies wäre aber weder praktikabel noch kosteneffektiv, da auch Mengen unterhalb von 1 mm2 ausreichen. Eine Unterscheidung der Hunner Typ IC von der nicht Hunner Typ IC ist mittels dieses Diagnostischen Merkmals möglich. Die Unterscheidung zwischen nicht Hunner Typ IC und OAB ist durch diese Methode nicht möglich, da keine signifikanten Unterschiede beim Vergleich des Mastzellvorkommens vorliegen. Um die Hunner und nicht Hunner Typ IC von der OAB zu unterscheiden ist es sinnvoller die Lymphozyt Infiltration und die Integrität des Urothels als histopathologisches Kriterium zu nutzen. Ohne Vorliegen dieser Infiltrate ist die Erkrankung der Überaktiven oder Hypersensitiven Blase zu zuordnen.

Quelle: van de Merwe JP, Nordling J, Bouchelouche P, et al. Diagnostic criteria, classification, and nomenclature for painful bladder syndrome/interstitial cystitis: an ESSIC proposal. Eur Urol 2008;53:60-7. 10.1016/j.eururo.2007.09.019
Gamper M, Regauer S, Welter J, et al. Are mast cells still good biomarkers for bladder pain syndrome/interstitial cystitis? J Urol 2015;193:1994-2000. 10.1016/j.juro.2015.01.036

Thrombozyten reiche Injektionen aus Eigenblut könnten überraschende Aspekte für die Zukunft der IC Behandlung aufzeigen

Thrombozyten reiches Blutplasma (PRP) ist eine einzigartige medizinische Technik, welche häufig bei Heilungsprozessen von wundem, weichem Gewebe angewendet wird. Bei dieser Technik wird Eigenblut des Patienten abgenommen und anschließend zentrifugiert, um Thrombozyten zu isolieren und anzureichern. Das Isolat wird im folgenden in das verletzte Gewebe injiziert. In dieser Vorbereitungsstudie wollten Wissenschaftler herausfinden, inwiefern diese Therapie auch eine Anwendung bei der Behandlung von IC oder der hämorrhagischen Zystitis darstellt. Dafür benutzten sie den Hasen als Modelorganismus. Dabei wurde bei den Hasen eine Zystitis induziert und die eine Hälfte mit PRP behandelt, während die andere Hälfte keine Behandlung mit PRP bekam und somit als Kontrollgruppe diente. Dabei fanden sie heraus, dass die Hasen, welche mit PRP behandelt wurden eine erhöhte Zellproliferation aufwiesen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dies wurde mittels mitotischen Index gemessen. Zudem stellten sie fest, dass die behandelte Gruppe eine reduzierte Blutung aufweist. Diese Ergebnisse sind vielversprechend und zeigen, dass eine Behandlung mit PRP eine potentielle, alternative Option für die Behandlung der IC darstellen könnte. Da es sich um eine Vorbereitungsstudie handelt sind noch weitere Studien an Modelorganismen und Menschen nötig um die Behandlung als eine alternative Option bei IC zu betrachten.

Quelle: Dönmez Mİ, İnci K, Zeybek ND, Doğan HS, Ergen A. The Early Histological Effects of Intravesical Instillation of Platelet-Rich Plasma in Cystitis Models. Int Neurourol J. 2016 Sep;20(3):188-196. Epub 2016 Sep 23.

  • 1
  • 2

über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

weiterlesen

Ihr Kontakt zu uns ...

Sie haben Fragen oder Sie wollen uns etwas über sich mitteilen?

Sie haben etwas an uns zu kritisieren?

Dann nutzen Sie unsere Formular zur Kontaktaufnahme

Ihre Nachricht für uns

Impressum

ICA-Deutschland e.V. Förderverein Interstitielle Cystitis
MICA - Multinational Interstitial Cystitis Association
Herr Jürgen Hensen
Untere Burg 21
D-53881 Euskirchen

eingetragen im Vereinsregister Euskirchen unter der Nummer VR 913

vollständiges Impressum