Fragen und Antworten

IC allgemein

Auf dieser Seite haben wir Ihnen eine Zusammenstellung der häufigsten Fragen rund um die IC aufgeführt und versuchen diese verständlich zu beantworten.

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Was ist Interstitielle Zystitis?

Charakteristisch für die Interstitielle Zystitis sind oft ausgeprägte Schmerzen in der Blasengegend sowie enormer Harndrang, Miktion mit nur wenigen Tropfen am Tag und in der Nacht, sowie eine geringe funktionelle Harnblasenkapazität. Einige Patienten haben zusätzlich Muskel- und Gelenkschmerzen, Migräne, Allergien, Dickdarm- und Magenprobleme. Häufig liegen Autoimmunerkrankungen wie Sjögren-Syndrom, Vulvodynie, CFS, rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Sklerodermie oder Hashimoto-Thyreoiditis vor.

Patienten, die an einer chronischen, interstitiellen Zystitis erkrankt sind, stehen unter enormem Leidensdruck. Schmerz und Harndrang mit bis zu 60 Toilettengängen tags und nachts führen nicht selten in die soziale Isolation und in die Erwerbsunfähigkeit.

Die Interstitielle Zystitis gibt der Medizin noch viele Rätsel auf. Die IC- Erkrankung ist daher schwer zu diagnostizieren und wird oft, wenn überhaupt, erst nach Jahren erkannt. Die Ursachen der IC sind weitgehend unbekannt oder auch vielfältig. Wir verstehen den Krankheitsprozess der IC vorrangig als einen initial vorliegenden Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der ableitenden Harnwege, insbesondere in der Schleimhaut, dem so genannten Urothel. Eine Störung der Gewebeintegrität verändert das Bindungsverhalten der Oberflächenproteine und führt letztendlich zu einer chronischen Entzündung, die dann alle Schichten der Blasenwand betrifft.

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Wer kann von IC betroffen sein?

An einer IC können Menschen jeden Alters, jeder Rasse und jeden Geschlechts erkranken. Auch Kinder und Kleinkinder können betroffen sein. Die Krankheit ist jedoch am häufigsten bei Frauen anzutreffen

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Ist Interstitielle Cystitis ansteckend?

Nein. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die IC ansteckend ist.

 

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Wie wird die Interstitielle Cystitis diagnostiziert?

Umfassende IC-Diagnostik ist aufwendig und ruht auf mehreren Säulen.

  • Anamnese
    Diese muss aktuelle Symptome, Begleit-erscheinungen, vorübergehende und chronische Krankheiten sowie stattgefundene Operationen erfragen. Zudem sollten Blasenentleerungsstörungen sowie körperliche oder psychische Misshandlung aktuell und in der Vergangenheit erfragt werden. Mögliche verwechselbare Erkrankungen sollten ausgeschlossen werden z. B. Blasenkrebs, Nierenerkrankungen, Tuberkulose, Vaginalinfektionen, Geschlechtskrankheiten, Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, Strahlenzystitis (und) Nervenerkrankungen, Malignomen und Harnwegesinfekte.
  • Das Miktions- und Schmerztagebuch sollte auch Hinweise auf besondere Umstände geben, wie z.B. Stresssituationen oder Besonderheiten bei der Ernährung.
  • Urinuntersuchung mittels Urinstreifen, Urinkultur und Urinzytologie
  • Urologische und gynäkologische Untersuchung, Zystoskopie unter Vollnarkose. Wenn keine Infektion vorliegt und keine andere Erkrankung festgestellt werden kann, ist es erforderlich die Blase zu dehnen, um die stecknadelkopfgroßen Blutungen in der Blasenwand zu sehen, die typische Merkmale der Krankheit sind.
  • Eine Biopsie der Blasenwand ist sinnvoll, um einerseits andere Erkrankungen wie z. B. Blasenkrebs auszuschließen und andererseits die Diagnose „Interstitielle Cystitis“ zu sichern. Der Pathologe muss den Auftrag erhalten, das Gewebe mit Blick auf eine IC zu untersuchen, da hierbei ein spezielles Verfahren angewandt werden muss (Giemsa-Färbung S-100-Immunhisto-chemie). Ab einem gewissen Stadium ist die IC pathologisch einwandfrei nachzuweisen. Im Frühstadium der IC ist in der Regel noch keine Gewebsveränderung zu erkennen.
  • Neben der Erfassung der klinischen Symptome und der Blasenspiegelung mit einer Gewebeentnahme zur mikroskopischen Untersuchung sollte eine Molekulardiagnostik spezifischer Zellproteine dazugehören, denn die IC ist eine Erkrankung, die Veränderungen in allen Schichten der Harn-blasenwand hervorrufen kann und dort Spuren auf zellulärer Ebene hinterlässt.
  • Beruhend auf der Hypothese, dass bei der IC eine Schädigung der GAG-Schicht (Glykosaminoglykan-Schicht) auftritt, lag die Vermutung nahe, dass bei der hohen Kaliumkonzentration im Harn ein Übertritt von Kalium in den suburothelialen Raum möglich ist und dass es dadurch zu einer Reizung der C-Fasern kommt, welche klinisch Harndrang und Schmerz verursachen.
    Der KCl-Test nach Parsons imitiert nun durch eine Instillation von 0,4 molarer KCl-Lösung als In-stillationsmedium den physiologischen Vorgang und beurteilt die Schmerzempfindung mit einer visuell analogen Skala. Die Tatsache, dass der 0,4 molare KCl-Test nach Parsons bei 25% der Patienten zu keiner Diagnose und bei 25% zu einem falsch positiven Resultat führt, und darüber hinaus für IC-Patienten sehr schmerzhaft ist, veranlasste eine Arbeitsgruppe um Daha, Riedel und Hohlbrugger, eine Modifikation dieses KCl-Tests dahingehend einzuführen, dass eine vergleichende (komparative) Urodynamik mit 0,9%iger NCl-Lösung und 0,2 molarer KCl-Lösung als Instillationsmedium verwendet wird. Während der Zystometrie mit KCl kommt es zu einem frühzeitigen Auftreten des Harndranges, der bei der Spülung mit Kochsalzlösung nicht zu beobachten ist. Des Weiteren führt die Spülung mit KCl zu einer Reduktion der Blasenkapazität, in Fällen von IC um mehr als 30% gegenüber den Messergebnissen mit physiologischer Kochsalzlösung. Eine Studie zeigte, dass diese Versuchsanordnung (0,9%ige NCl-Lösung und 0,2 molare KCl-Lösung), in konsekutiver Form angewendet, von den Patienten hinsichtlich der Schmerzsensation besser toleriert wird als der klassische Parsons-Test und dass die Ergebnisse von gleicher statistischer Validität sind.
    Der KCl-Test wird in der Diagnostik der IC aufgrund auch unbefriedigender Resultate kontrovers diskutiert. Einerseits ist dies durch die inhomogenen Patientengruppen, andererseits auch durch die geringen Fallzahlen in einigen Studien zu erklären. Bei ca. 25% der Fällen fällt der Test negativ aus. Aber fest steht, dass der alleinige positive KCl-Test kein Beweis für das Vorliegen einer IC ist. Sowohl die Symptome als auch die Glomerulationen oder Hunners Läsionen müssen vorhanden sein. Auch bei Patienten mit einer neurogenen Blase oder Strahlenblase kann der KCl-Test positiv ausfallen. Die erhöhte Kalium-Sensibilität der Blase soll nur ein Hinweis für das Vorhandensein eines GAG-Defektes sein.

Desweiteren stehen folgende Fragebögen zur Verfügung:

"O`Leary-Sant interstitial cystitis symptom and problem indices" und "Pelvic Pain and Urgency/Frequency (PUF) patient symptom scale".

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Was löst IC aus?

Die genauen Ursachen der interstitiellen Cystitis sind noch ungeklärt. Neben immunologischen und infektiösen Ursachen wird auch eine erhöhte Durchlässigkeit der Blasenschleimhaut für toxische Substanzen erkannt.
Diskutiert werden auch das Vorhandensein einer autoimmunologischen Störung als auslösender Faktor und die Bedeutung von Sauerstoffmangel-Zuständen (Ischämie) im kleinen Becken als Auslöser für die interstitielle Zystitis.

Bemerkenswert oft können sich Betroffene genau an den Zeitpunkt erinnern, an dem die IC begann. Nach eigener Einschätzung benennen sie Erkrankungen des Urogenitalsystems als häufigste Ursache. Damit verbinden sie vielfach die Einnahme von Antibiotika bei bakteriellen Infekten oder nach Operationen.

Viele IC Patienten haben die Fragestellung hinsichtlich "Gewalterfahrung" als rein physische Gewalt verstanden und daher zurückhaltend geantwortet. Psychische Demütigungen, Misshandlungen, oder leidvolle und traurige Erlebnisse werden von IC-Patienten jedoch häufig verdrängt und erst spät aufgedeckt. Dennoch geht man davon aus, dass die interstitielle Zystitis im Gegensatz zur Reizblase keine psychosomatische Erkrankung ist. Mögliche psychische Veränderungen der Betroffenen sind eine Folge der Erkrankung und nicht umgekehrt.

(vgl.: "Lebensbilder von Frauen mit Interstitieller Cystitis:
Emotionale und kognitive Faktoren als modifizierende Elemente bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Reduktion chronischer Schmerzen am Beispiel IC-BPS",
Beate Jocham, Deutsche Nationalbibliothek idn=1023541513 )

Umstand für Auftreten der Erkrankung Prozent
nach Einschätzung der Patienten*
Erkrankungen des Urogenitalsystems 57,77%
Psychischer Stress 42,43%
Operationen 23,70%
Fehlernährung 14,07%
Muskuläre oder orthopädische Erkrankungen 10,74%
Negative sexuelle Erlebnisse 4,81%
Gewalterfahrungen 2,96%
Vernachlässigung 2,96%
Sonstiges 15,56%

*(Mehrfachnennungen möglich)

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Kann IC behandelt werden?

Nach wie vor gilt die IC als eine der am schwierigsten zu therapierenden Erkrankungen. Heutige Therapien können ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und Symptome lindern.

Heilung ist möglich, wenn die Mechanismen der Krankheitsentstehung und deren Ursache(n) hinreichend erforscht sind. Diese sind jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich, da Ursachen unterschiedlich und vielfältig sein können. Daher liegt besonderes Augenmerk auf der sorgfältigen Anamnese.

Schon die Basistherapie erfolgt "multimodal" und bedarf individueller, multidisziplinärer und multiprofessioneller Ergänzung. Kommunikation und Therapiemanagement sind unerlässlich.

Weitere Informationen zur Therapie finden Sie hier.

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  • Literatur

    An dieser Stelle geben wir Ihnen Buch- und andere Literaturtipps zum Thema IC und Vulvodynie.

     

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  • Behandlungsmethoden

    Erhalten Sie eine kleine Übersicht über den aktuellen Stand zur Behandlung der IC

     

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  • Ernährungsratgeber

    Mit unserem Ernährungsratgeber zeigen wir Ihnen, wie Ihnen eine Ernährungsumstellung helfen kann.

     

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  • Informationsvideo

    mit der freundlichen Genehmigung von Prof. Ueda können wir Ihnen hier das Video einer Blasenspiegelung bei Interstitieller Cystitis zeigen.

     

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über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

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ICA-Deutschland e.V. Förderverein Interstitielle Cystitis
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