Interview mit Dr. Silvia Salm

IC-Zentrum am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Klinik für Urologie und Kinderurologie

Das Zentrum für IC und Beckenschmerz am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier ist unter dem Dach des Moselzentrums für Kontinenz an der dortigen Klinik für Urologie und Kinderurologie angesiedelt und hat die Zertifizierungsurkunde nach den Anforderungen der ICA-Deutschland e.V. im Dezember 2018 erhalten. Die Einrichtung, die von Oberärztin Dr. Silvia Salm geleitet wird, setzt bei Diagnose und Therapie der IC auf individuelle Behandlungskonzepte.

silvia salm 200x293Frau Dr. Salm, als Fachärztin für Urologie wissen Sie, dass die betroffenen Patientinnen und Patienten oft einen langen Leidensweg bis zur Diagnose der IC gehen müssen. Wo setzt Ihr Zentrum die Schwerpunkte bei der Diagnostik und Therapie von IC-Patienten?

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Betroffenen frühzeitig alle notwendigen Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten anzubieten, um ein individuelles Behandlungskonzept auszuarbeiten. Entsprechend umfangreich ist die Diagnostik in unserem Haus, die über Miktionsprotokolle, Schmerzprotokolle und Urinkontrolle, die Blasenspiegelung und Ultraschalluntersuchungen des Harntrakts bis zur Blasendruckmessung und Blasenbiopsien reicht. Unsere Therapieangebote umfassen die EMDA, Instillationen der Blase, endoskopischen Verfahren, medikamentösen Therapien, Physiotherapie, Schmerztherapie, Psychotherapie, sowie Entspannungstechniken und Ernährungsberatung, bei Bedarf auch die Injektionsbehandlung der Blase mit Botulinumtoxin A, sodass wir die Behandlung individuell für unsere Patienten zuschneiden können.

Wir arbeiten selbstverständlich interdisziplinär mit mehreren Fachabteilungen zusammen, und weil eine frühe Diagnosestellung für den weiteren Krankheitsverlauf so wichtig ist stehen wir in engem Kontakt mit den niedergelassenen Ärzten und engagieren uns in der Aufklärungsarbeit und veranstalten Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen, um Öffentlichkeit und Ärzteschaft für das Krankheitsbild der IC zu sensibilisieren.

Wie ist der Altersdurchschnitt der IC-Patienten in Ihrer Klinik?

Die deutsche S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS) betont, dass die IC in allen Altersstufen auftritt. Danach können auch Kleinkinder und Jugendliche die typischen Beschwerden einer IC zeigen. Am häufigsten sind Personen mittleren Alters betroffen, und in der Tat betreue ich Patienten von 20 bis 80 Jahren. Durchschnittlich aber liegt das Alter unserer Patienten eher bei über 40 Jahren. Frauen sind übrigens neun Mal häufiger betroffen als Männer.

Haben Sie positive Rückmeldung von IC-Patienten, die versuchen sich trotz ihrer Schmerzen durch sportliche Betätigung beweglich zu halten und somit die Durchblutung des Beckens zu fördern?

Manche Patienten berichten mir, dass sie körperliche Aktivität positiv empfinden, die meisten machen aber wegen der Schmerzen und auch wegen des ständigen Harndrangs zunächst keinen Sport. Das ist durchaus verständlich, auch wenn leichte sportliche Betätigung die Durchblutung im Unterleib verbessern und die Symptome einer IC lindern kann.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf bzw. die wichtigsten Ansatzpunkte bei der Versorgung von IC-Patienten?

Am schwierigsten ist nach wie vor die Diagnosestellung, weil oft Jahre vergehen, bis den Patienten geholfen werden kann. Deshalb ist Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung wichtig, damit immer mehr Menschen über diese Erkrankung informiert werden und die Patienten nicht als Psychopathen abgestempelt werden. Die Behandlung ist ebenfalls sehr schwierig, langwierig und für die Betroffenen oft frustrierend, weshalb eine gute Patientenbetreuung und auch die Anbindung psychologischer Angebote wichtig sind.

 

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