Hilfe zur Selbsthilfe

Viele an Interstitieller Cystitis Erkrankte suchen den Kontakt zu anderen IC-Betroffenen und erhoffen sich damit Ratschläge und Erfahrungen dieser Menschen für sich zu nutzen.

Hier können Mitglieder des Vereins als auch Gäste ihre Erfahrungen einbringen. Bei uns finden ICA-Mitglieder Kontakte, die ihnen das Leben mit Interstitieller Cystitis erträglicher machen.

Unter dem Stichwort "Selbsthilfe" sammeln wir Erfahrungsberichte wie Briefe von Betroffenen, geben Ernährungshinweise und veröffentlichen Ratgeber. All das soll Ihnen helfen, besser mit der Krankheit zu leben.

Lesen Sie, was andere geschrieben haben und teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit.

Wir laden zum Erfahrungsaustausch ein.

 

Ratgeber zur Selbsthilfe bei Interstitieller Cystitis

Der IC-Arbeitskreis unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Lotz hat in Zusammenarbeit mit erfahrenen Medizinern an den führenden Kliniken und Universitäten einen Ratgeber zur Selbsthilfe und eine Vorlage für ein Miktionstagebuch erstellt.

RATGEBER

Anpassen der Ernährung bei IC

Einhergehend mit der Erkrankung Interstitielle Cystitis müssen viele Patienten mit Einschränkungen und Unverträglichkeiten beim Essen leben. Wir haben aus eigener Erfahrung einen Ratgeber erstellt und Literatur für den Einsatz in der Küche für Sie gefunden.

ERNÄHRUNG

Zertifizierte Zentren und Beratungsstellen

 

Deutschlandkarte mit Beratungsstellen und Zentren Eine Übersicht der aktuellen Zentren und Beratungsstellen zeigt Ihnen die nebenstehende Deutschlandkarte (zum Vergrößern bitte anklicken).

Die Anschriften der markierten Zentren und deren Koordinatoren/Koordinatorinnen incl. des Links zu der WEB-Seite können Sie den beiden folgenden Tabellen entnehmen.

 

.

.

zertifizierte Zentren

zertifiziertes ZentrumZentrumskoordinator/in
Villingen-Schwenningen Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel
Herne Prof. Dr. Arndt van Ophoven
Lüneburg Dr. Björn Theodor Kaftan
Zürich Prof. Dr. Regula Doggweiler
Chemnitz Dr. Anne-Kathrin Sünder
Mönchengladbach Dr. Albert Kaufmann
Weiden / Oberpfalz Prof. Dr. Dr. Thomas Bschleipfer
Trier Dr. Silvia Salm
Witten Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Zürich Prof. Dr. Marc Possover
Neunkirchen / Saar Dr. Sun-Tscheol Kwon

.

.

zertifizierte Beratungsstellen

Zertifizierte Beratungsstellen für Interstitielle Cystitis (IC/BPS)
PLZOrtName
14052 Berlin Dr. Elke Heßdörfer
Urologische Privatarztpraxis
53115 Bonn Dr. Sigrid Tapken
Urologische Privatarztpraxis
21335 Lüneburg / Am Dorfplatz 3 Arnauld Devos
Heilpraktiker - Osteopathie für Kinder und Erwachsene
61231 Bad Nauheim Privatdozent Dr.med. Winfried Vahlensieck
Kurpark-Klinik
21335 Lüneburg Frau Dr. Petra Georgens
Büro für Ernährungs- und Gesundheitskommunikation
65197 Wiesbaden Dr. med. Ralf Thiel
Chefarzt der Asklepios Paulinen Klinik
26603 Aurich Dr. Helmut Reinhold
Ubbo-Emmius-Klinik Aurich
     

Presseinformation

Jetzt 16 zertifizierte Anlaufstellen in neun Bundesländern:
ICA-Deutschland etabliert Versorgungs-Netz für Interstitielle Cystitis

Euskirchen. Wo finden Patientinnen und Patienten mit Interstitieller Cystitis (IC) kompetente Hilfe? Wo kann die komplexe Diagnose der seltenen urologischen Erkrankung gestellt und wo kann die extrem schmerzhafte chronische Entzündung der Harnblasenwand leitliniengerecht behandelt werden? Dank der Zertifizierung spezialisierter Kliniken und Praxen durch den ICA-Deutschland e.V., gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis, finden Betroffene Antworten. Mit der jüngsten Akkreditierung einer Beratungsstelle im Dezember 2020 in Wiesbaden hat der ICA sein zertifiziertes Versorgungs-Netz weiter ausgebaut. Inzwischen konnte der Förderverein neun IC-Zentren und sieben Beratungsstellen in neun Bundesländern eine hervorragende Expertise bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit IC attestieren. Auf der Webseite www.ica-ev.de sind diese ausgewiesen und ermöglichen den Zugang zu einer hoch qualifizierten Versorgung.

„Unser Ziel ist ein möglichst breit aufgestelltes Versorgungs-Netzwerk, sodass Betroffene mit einer entsprechenden Symptomatik in zumutbarer Entfernung kompetente ärztliche Ansprechpartner finden und die notwendige Diagnostik erhalten, damit eine IC zunächst überhaupt detektiert werden kann“, sagt Bärbel Mündner-Hensen, Gründerin und Bundesvorsitzende des ICA-Deutschland e. V. Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an einer IC, und bis heute ist das Krankheitsbild auch unter Ärzten noch immer relativ unbekannt. Die Diagnose „Interstitielle Cystitis“ wird häufig erst nach jahrelanger Arzt-Odyssee schließlich zu 99 Prozent von Urologen gestellt. Die genauen Ursachen sind bisher ungeklärt. Experten gehen von einem Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der ableitenden Harnwege, im Besonderen der schützenden sogenannten GAG-Schicht der Harnblase aus, wodurch die Blasenwand vermehrt schädigenden Bestandteilen des Urins ausgesetzt ist und ein andauernder Entzündungsprozess ausgelöst werden kann.

Typische Symptome einer Interstitiellen Cystitis sind stechende Unterleibsschmerzen und ständiger Harndrang mit bis zu 60 Toilettengängen über Tag und Nacht. Die überwiegend weiblichen Patienten stehen unter enormem Leidensdruck und geraten nicht selten in die soziale Isolation und in die Erwerbsunfähigkeit. Einige Patienten leiden zusätzlich an Muskel- und Gelenkschmerzen, Migräne, Allergien, Dickdarm- und Magenproblemen. „Die Lebensqualität dieser Patienten ist aufs Äußerste reduziert und es bedarf adäquater interdisziplinärer Behandlungsmethoden, die in den von uns zertifizierten Zentren vorgehalten werden“, betont die ICA-Bundesvorsitzende. Medikamentöse Therapien, Blaseninstallationen oder Botox-Injektionen sowie u.a. Physio- und Schmerztherapie können ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und Symptome lindern. Heilbar ist eine IC nicht; in seltenen Fällen kann eine Entfernung der Harnblase erforderlich sein.

Die Zertifizierung der multidisziplinären Zentren für Interstitielle Cystitis (IC) und Beckenschmerz durch den ICA-Deutschland erfolgt mithilfe eines eigens dafür entwickelten Anforderungskatalogs, der sich an die Anforderungen an Zentren für Seltene Erkrankungen sowie Kontinenz- und Beckenboden-Zentren anlehnt. Außerdem können sich IC-Beratungsstellen akkreditieren lassen.
Das europa- und deutschlandweit erste Zentrum für Interstitielle Cystitis und Beckenschmerz wurde im September 2017 durch den ICA-Deutschland am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen zertifiziert. „Aus meiner Sicht ist durch die Zertifizierung der Zentren deutlich mehr Öffentlichkeit für die Interstitielle Cystitis entstanden und das Patientenaufkommen enorm gestiegen. Während nach Statistiken ein niedergelassener Urologe in Deutschland sieben IC-Patienten im Jahr betreut, kommen zu uns an manchen Tagen fünf bis zehn Patienten mit dieser Erkrankung oder dieser Fragestellung“, sagt Zentrumskoordinatorin Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel. Die renommierte Urologin ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und im Medizinischen Beitrat des ICA-Deutschland aktiv.

Zuletzt zertifizierte der ICA-Deutschland die Beratungsstellen an der Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden und der Frauenklinik UEK in Aurich, womit das Versorgungsnetz nun insgesamt 16 geprüfte Anlaufstellen in den Bundesländern Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Saarland umfasst. Hinzu kommen zwei weitere IC-Zentren in Zürich.

Informationen über die jeweiligen Behandlungsschwerpunkte der Zentren finden Betroffene und Interessierte in ausführlichen Interviews mit den Zentrumskoordinatoren auf der Webseite des ICA-Deutschlands. Zertifizierungsanforderungen für Zentren und Beratungsstellen sind ebenfalls auf www.ica-ev.de abrufbar.

Der ICA-Deutschland e.V. wurde 1993 von Bärbel Mündner-Hensen und Jürgen Hensen als erste IC-Organisation in Europa gegründet. Seitdem setzt sich der Förderverein auf nationaler und internationaler Ebene für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit ein, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten der Interstitiellen Cystitis deutlich verbesserten. So wurde 2018 die erste deutsche Leitlinie zur „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC/BPS)“ veröffentlicht, die auf Initiative des ICA-Deutschlands unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. erstellt wurde.

______________________________________
Medizinredaktion Hamburg
Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm

Vorgehen beim Import von elmiron® aus dem Ausland

Was muss beachtet werden?

Für die Patienten ist elmiron® das erste für Ihre Krankheit zugelassene und von den Krankenkassen erstattete Arzneimittel in Deutschland und wurde als empfohlene Standardtherapie in der medizinischen Leitlinie IC/BPS aufgenommen. Hintergrund ist eine gerichtliche Auseinandersetzung, aufgrund finanzieller Abwägungen der gesetzlichen Leistungsträger.

Neben der Abgabe des Kassen- oder Privatrezeptes, je nachdem, wie Sie versichert sind, ist eine zusätzliche Importgenehmigung in der Apotheke mit der Verordnung einzureichen.

Die Erstattung ändert sich durch den Import des Arzneimittels nicht. elmiron® darf bei gesetzlich Krankenversicherten immer noch auf Kassenrezept verordnet werden und wird von der gesetzlichen Krankenkasse wie bisher erstattet.

Die erforderliche Importgenehmigung kann entweder Ihr behandelnder Arzt oder Sie selbst bei Ihrer Krankenkasse beantragen. Formularvorlagen, die Sie für die Beantragung dieser Importgenehmigung bei Ihrer Krankenkasse verwenden können, stellen wir Ihnen hier auf unserer Webseite- für Ihren Arzt und für Sie- zum Herunterladen zur Verfügung.

Wenn sowohl das Rezept als auch die Importgenehmigung vorliegen, bestellt Ihre Apotheke das Medikament über spezielle Händler als Einzelimport, welches in die Apotheke vor Ort zur Abholung geliefert wird.

Das rechtliche Vorgehen und die einzelnen Schritte zum Thema Einzelimport aus dem Ausland haben wir ebenfalls auf unserer Webseite in einer Informationsübersicht für Sie zusammengefasst.

Informationsübersicht

Erstattungsfähigkeit von zugelassenen, aber in Deutschland nicht verfügbaren Arzneimitteln

Im Folgenden informieren wir Sie über die Frage, was zu beachten ist, wenn die Behandlung mit einem Arzneimittel durchgeführt werden soll, das zwar zugelassen, aber derzeit auf dem deutschen Markt nicht verfügbar ist.

 

  1. Kann das Arzneimittel nach Deutschland importiert werden?
    Ja, das ist unproblematisch möglich. Da heutzutage Arzneimittel üblicherweise zentral durch die Europäische Kommission zugelassen werden, sind diese im ganzen Bereich des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) frei verkehrsfähig. Das Arzneimittel kann also aus einem anderen EWR-Staat nach Deutschland importiert werden (§ 73 Abs. 1 AMG).
  2. Ist der Import aus einem bestimmten Land zu bevorzugen?
    Arzneimittel sollen in Deutschland in deutschsprachiger Verpackung und mit deutscher Packungsbeilage abgegeben werden (§§ 10 und 11 AMG). Daher empfiehlt sich ein Import aus einem deutschsprachigen EWR-Staat.
  3. Kann das Arzneimittel zu Lasten der Krankenkassen verordnet werden?
    Ja, zugelassene verschreibungspflichtige Arzneimittel sind zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnungs- und erstattungsfähig, solange sie nicht explizit durch das Gesetz oder eine Richtline des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von der Versorgung ausgeschlossen sind. Die Marktverfügbarkeit in Deutschland spielt keine Rolle.
  4. Ist bei der Verordnung etwas Besonderes zu beachten?
    Nein, die Verordnung erfolgt auf dem ganz normalen Kassenrezept (Muster 16). Weitere Ergänzungen oder Zusätze sind nicht erforderlich. Die Auswahl des Arzneimittels folgt wie immer unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebots.
  5. Gibt es Besonderheiten bei der Bestellung durch die Apotheke?
    Da der Apotheker das Arzneimittel aus dem Ausland bestellt, braucht er eine Bestätigung der Krankenkasse, dass er diesen Import auch mit der Krankenkasse abrechnen kann. Der Arzt oder der Patient, ggf. auch der Apotheker selbst, sollte sich daher mit der Krankenkasse in Verbindung setzen und um eine schriftliche Bestätigung der Abrechnungsfähigkeit bitten. Die Bestätigung der Krankenkasse ist dann mit dem Rezept in der Apotheke vorzulegen.
  6. Kann es zu Problemen kommen?
    Eigentlich handelt es sich bei der Abrechnungsbestätigung der Krankenkasse nur um einen formalen Akt, der in den Arzneimittelversorgungsverträgen zwischen den Krankenkassen und den Apothekerverbänden unterschiedlich geregelt ist. Deshalb kann es sein, dass manche Krankenkasse in der Praxis eine Anfrage durch den Apotheker (statt durch den Arzt) mit einem Kostenvoranschlag erwartet. Es ist auch vorstellbar, dass die Krankenkasse die Anfrage falsch zuordnet und davon ausgeht, dass hier die Verordnung des Arzneimittels selbst genehmigt werden soll (was nach § 29 Abs. 1 BMV-Ä unzulässig wäre). Hier hilft ein klärendes Telefonat mit der Krankenkasse unter Hinweis auf die Arzneimittelversorgungsverträge.

Formularvorlagen für den Arzt und den Patienten

Die Formulare für den Arzt und den Patienten als auch die obigen Informationen können Sie sich mit einem der folgendem Dokument bedarfsgerecht herunterladen.

Informationsblatt Arzneimittelimport

Formulare für den Arzt

Formulare für den Patienten

 

Darm, Ernährung und Komplementärmedizin bei Blasenschmerzen

Dr. Elke Heßdörfer, Berlin

Bei chronischen Erkrankungen wird der Aspekt der Ernährung meist viel zu wenig bedacht. Da ist es manchmal nicht falsch auf das zu hören was Patienten selbst an beobachteten Zusammenhängen berichten. So ist schon seit längerem bekannt, dass bestimmte Lebensmittel, Gewürze oder Getränke zu einer Symptomverschlechterung führen. Die beiden Amerikaner Barbara Shorter und Robert M. Moldwin haben in ihrem Shorter-Moldwin-Food Sensitivity- Fragebogen eine Vielzahl von entsprechenden Lebensmitteln (s. Abb.) zusammengetragen.

Abb.: Nahrungsmittel aus der Shorter-Moldwin- Food -Sensitivity-Liste, besonders histaminhaltige oder –freisetzende mit * gekennzeichnet

 

Abb: Nahrungsmittel aus der Shorter-Moldwin- Food -Sensitivity-Liste, besonders histaminhaltige oder –freisetzende mit * gekennzeichnet
Koffeinfreier Kaffee Ananassaft* , Orangensaft
Koffeinhaltiger Tee *(gilt für schwarzen Tee) Tomaten*, Tomatenhaltige Produkte*
Cola Peperoni*
Softdrinks, Lightgetränke Meerrettich
Bier* Essig*
Champagner*, Rotwein*, Weißwein* Mononatriumglutamat*
Spirituosen and Cocktails* Aspartam-und acesulfamhaltige Süßstoffe, Saccharin
Grapefruit*, Zitronen*, Orangen* „Mexican food“*, “Thai food”*, “Indian food”*
Ananas* Chili*
Cranberrysaft, Grapefruitsaft Burritos

 

Was bei Ihnen unerwähnt bleibt, ist, dass es sich bei den meisten dieser benannten IC-Verstärker um histaminhaltige oder histaminfreisetzende Lebensmittel bzw. Substanzen handelt. Blickt man über den Tellerrand der Schulmedizin gibt es das Krankheitsbild der Histaminintoleranz bzw. Histaminunverträglichkeit, was schulmedizinisch, aber kritisch bewertet wird. So formuliert die S1-AWMF-Leitlinie „Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin“ unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. , dass grundsätzlich Nahrungsmittelunverträglichkeiten objektiv viel seltener nachweisbar seien als subjektiv empfunden werden. Es gibt laut dieser Leitlinie keine verlässliche Laborbestimmung und auch keine bewiesene Therapie einer Histaminintoleranz. Histamin ist ein biogenes Amin und wird im Körper aus der Aminosäure Histidin gebildet. Histamin wird vorwiegend in Mastzellen gespeichert und ist einer der wichtigsten Vermittler allergischer, aber auch nicht-allergisch bedingter klinischer Reaktionen. Histamin wird vom Körper durch die Histamin-N-Methyltransferase und die Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Auch über die Nahrung aufgenommenes Histamin wird über diese Abbauwege eliminiert.

Ein typisches Beispiel für eine Histaminunverträglichkeitsreaktion ist eine sogenannte Fischvergiftung nach Verzehr von verdorbenem Fisch. Die Symptome bei einer Histaminunverträglichkeit können mehrere Organsysteme betreffen und sind komplex. Plötzliche Rötung im Gesicht, Juckreiz am Körper, Reizdarmsymptome mit Übelkeit und/oder Erbrechen beziehungsweise Durchfälle und Bauchschmerzen können auftreten; aber auch Migräne, Naselaufen, Atemnot, Schwindel und Herzrasen sind möglich. Möglicherweise ist auch IC/BPS histaminausgelöst? Zumal Reizdarm und Migräne häufig bei IC-Betroffenen vorkommt. Die Schulmedizin empfiehlt als Therapie eine histaminarme Ernährung; die Gabe von Antihistaminika ist bei einer Unverträglichkeit von durch Nahrung zugeführtem Histamin studienmäßig nicht belegt. Manchmal kann die Einnahme von DAO 30 Minuten vor histaminreichem Essen hilfreich sein.

Eine ausführliche Lebensmittelverträglichkeitsliste zum Thema Histamin ist auf der Schweizer Internetseite www.histaminintoleranz.ch (https://www.mastzellaktivierung.info/downloads/foodlist/11_FoodList_DE_alphabetisch_mitKat.pdf ) zu finden. Abgesehen von den dort aufgeführten Lebensmitteln gilt, dass frisch zubereitetes Essen mit frischen Zutaten weniger Histamin enthalten. Zu erwähnen ist auch, dass nicht nur Lebensmittel, sondern auch Medikamente wie z.B. sämtliche Schmerzmittel, manche Antibiotika (z.B. Cephalosporine, Clavulansäure), Antidepressiva wie Amitriptylin und Röntgenkontrastmittel ebenfalls histaminfreisetzend oder DAO-hemmend sind (s. Abb.).

 

histaminfreisetzende oder DAO-hemmend Medikamente

Als Ursache für Reaktionen auf mit der Nahrung aufgenommenes Histamin wird zum einen eine Abbaustörung der DAO angenommen, die genetisch bedingt sein kann. Allerdings lässt die Bestimmung der DAO-Konzentration im Blut keinen Rückschluss auf die Enzymaktivität der DAO im Dünndarm zu. Eine andere Erklärung für eine Histaminintoleranz könnte eine Veränderung der Dünndarmdurchlässigkeit als Voraussetzung für die Entstehung der Symptome einer Histaminintoleranz sein. Die Nichtschulmedizinwelt nennt dies ein Syndrom des löchrigen Darms, auch Leaky-Gut-Syndrom genannt. Mögliche Auslöser sind z.B. Antibiotika, die das Darmmikrobiom verändern, Nikotin, Alkohol, Schmerzmittel oder Schwermetalle. Es kommt zu einer Schädigung der Darmepithelschicht, den sog. „tight junctions“, die normalerweise für einen kontrollierten Nährstoffdurchtritt vom Darminneren in den Blutkreislauf sorgen. Folge ist ein vermehrter Übertritt von Giftstoffen, sog. Endotoxinen, gramnegativer Darmbakterien, aber auch diverser allergen wirkender Nahrungsbestandteile wie z.B. Eiweisse, die zu einer Fehlaktivierung der Immunzellen, einer subklinischen Entzündung des Immunsystems, „silent inflammation“ genannt, führt. Das vermehrte Anfluten des Entzündungsvermittlers Histamin verstärkt zusätzlich diese Entzündung. „Silent inflammation“ gilt heute in der Nichtschulmedizin als Auslöser einer Vielzahl von Erkrankungen wie z.B. Arteriosklerose und Autoimmunerkrankungen. Und gerade Autoimmunerkrankungen sind nicht selten bei IC/BPS auftretend.

Zum Leaky-Gut –Syndrom passt auch eine Entdeckung, die die Arbeitsgruppe um Robert Hurst von der Oklahoma University 2015 machte: im Tierversuch mit Ratten fanden sie heraus, dass eine durch die Chemikalie Protaminsulfat ausgelöste Durchlässigkeitstörung der Blase zu einer vermehrten Durchlässigkeit der Dickdarmscheimhaut führte und umgekehrt die Gabe von Trinitrobenzolsulfonsäure (ist eine Chemikalie, die als Reizdarmmodell bei Ratten verwendet wird) eine vermehrte Durchlässigkeit der Blasenschleimhaut zur Folge hatte. Offensichtlich gibt es einen sog. Crosstalk zwischen Darm und Blase, was das gehäufte Auftreten gerade des Reizdarmsyndroms mit IC/PBS erklären könnte. Dass Histamin im Darm eine Rolle bei IC/PBS spielt ergab eine eigene Untersuchung: bei 65% der untersuchten 97 IC/BPS-Patientinnen fand sich eine Histaminerhöhung im Stuhl. Komplementärmedizinisch wird schon lange durch die Gabe von laktobazillenhaltigen Probiotika eine Reparatur der „tight junctions“ beobachtet. Histamin selbst kann durch Gabe von Löss oder mineralischen bzw. vulkanischen Gesteinsmehlen im Darm gebunden und eliminiert werden. Zusätzlich können sekundäre Pflanzenstoffe wie oligomere Proanthocyanidine (kurz OPC genannt). die z.B. in Traubenkernen sind, das histaminbildende Enzym Histidindecarboxylase hemmen. Aber auch die Gabe von immunmodulierenden E.coli-und Enterococcenhaltigen Arzneimittel helfen die gestörte Darmschleimhautbarriere wiederherzustellen. Dies führt aber auch zu einer Verbesserung der Immunabwehr, was sowohl wiederkehrende Harnwegsinfekte als auch die „silent inflammation“ positiv beeinflusst; denn 80% aller Immunzellen befinden sich im Darm, da die Darmschleimhaut mit ihrer 500 m² großen Oberfläche die größte Grenzfläche des Körpers zur Außenwelt darstellt und vor Eindringlingen wie ein Wall geschützt werden muss. Darüber hinaus trägt auch ein Mangel an Mikronährstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren, der aufgrund falscher Ernährung oder durch Dünger ausgelaugter Böden mehr und mehr bei den meisten Menschen zu finden ist, zu erheblichen Störungen in den biochemischen Prozessen des Organismus bei und fördert das Entstehen einer „silent inflammation“. Mit Tests wie intrazellulären Mikronährstoff-und Schwermetallanalysen sowie Darmmikrobiotabestimmungen lassen sich Defizite erkennen und therapieren. Neben einer Gabe von Probiotika und Substitution fehlender Mikronährstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln spielt die „richtige“ Ernährung eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich gelten für eine optimale Ernährung folgende Kriterien: hoher Anteil an Faserstoffen und resistenter Stärke durch Gemüse (sog. Präbiotika),Verzicht auf Zucker und Getreideprodukte, Essen von fermentierten Nahrungsmitteln wie Kefir, Sauerkraut und Kimchi, wobei dies bei einer Histaminintoleranz anfänglich allerdings zunächst zu meiden ist, Proteinquellen nur aus nachhaltig-biologischer Landwirtschaft, Meiden von Pflanzenölen, wenig Obst (Fruchtzucker ist schädlicher als Haushaltszucker). Dieses antientzündliche Paleo-Ernährungskonzept hat sich in der Komplementärmedizin vor allem bei chronischen Erkrankungen als sehr vorteilhaft erwiesen. Schulmedizinische Studien bei IC/BPS gibt es dazu allerdings nicht.

Nicht zu vergessen ist außerdem die wichtige Bedeutung eines intakten Darmmikrobioms für die Psyche. Forscher sprechen inzwischen von der "Darm-Hirn-Achse“. Somit ist der Einsatz von Pro-und Präbiotika bei IC/BPS-Patienten, die oft unter Depressionen und Ängsten als Begleiterkrankung leiden, allein deswegen schon gerechtfertigt.

  • 1
  • 2

über uns

Der Verein "ICA-Deutschland e. V." - gemeinnützige Gesellschaft und Förderverein Interstitielle Cystitis - wurde am 19.08.1993 gegründet. In Europa ist er der erste vergleichbare Verein und weltweit der zweite nach den USA.

Seit über 20 Jahren kämpft der Förderverein für Interstitielle Cystitis(ICA) für mehr Aufklärung und Information von Ärzten und Öffentlichkeit, initiierte zahlreiche Forschungsprojekte und konnte dazu beitragen, dass sich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten deutlich verbesserten.

weiterlesen

Impressum / Datenschutz

ICA-Deutschland e.V. Förderverein Interstitielle Cystitis
MICA - Multinational Interstitial Cystitis Association
Herr Jürgen Hensen
Untere Burg 21
D-53881 Euskirchen

eingetragen im Vereinsregister Euskirchen unter der Nummer VR 913

vollständiges Impressum

 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.